BWA-Lexikon

Working Capital: Wie viel Luft Ihr Umlaufvermögen wirklich lässt

Zwischen Gewinn und Zahlungsfähigkeit liegt das Working Capital: Es zeigt, wie viel Vermögen kurzfristig verfügbar ist, nachdem alle kurzfristigen Verpflichtungen gedanklich bedient wurden.

Für die Praxis besonders relevant: Zwei der wichtigsten Stellschrauben — Kundenforderungen und Lieferantenverbindlichkeiten — sind in den Auswertungen rund um die Betriebswirtschaftliche Auswertung direkt sichtbar und damit monatlich steuerbar.

Definition

Das Working Capital ist die Differenz zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ein positiver Wert bedeutet, dass das kurzfristig gebundene Vermögen die kurzfristigen Schulden übersteigt — ein Puffer für die Zahlungsfähigkeit.

Formel

Formel

Working Capital = Umlaufvermögen − kurzfristige Verbindlichkeiten

Zum Umlaufvermögen zählen Vorräte, Forderungen und liquide Mittel; zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten vor allem Lieferantenverbindlichkeiten, Kontokorrentkredite sowie fällige Steuer- und Lohnverbindlichkeiten.

Rechenbeispiel

Ein Großhändler hat 180.000 € Vorräte, 120.000 € Forderungen und 40.000 € Bankguthaben — zusammen 340.000 € Umlaufvermögen. Dem stehen 210.000 € kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber. Das Working Capital beträgt 340.000 € − 210.000 € = 130.000 €.

Sinkt es über Monate, obwohl das Geschäft stabil läuft, bindet das Unternehmen mehr Kapital in Vorräten oder Außenständen — oder es schiebt Lieferantenrechnungen vor sich her.

Was die BWA-Auswertungen davon zeigen

Die Erfolgsrechnung selbst enthält keine Bestandsgrößen. Zwei zentrale Working-Capital-Komponenten liefern aber die begleitenden Auswertungen: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen — sichtbar in der Summen- und Saldenliste und detailliert in der OPOS-Liste.

Schon aus diesen beiden Größen lässt sich viel ablesen: Wachsen die Forderungen schneller als der Umsatz, verschlechtert sich das Zahlungsverhalten der Kunden. Wachsen die Verbindlichkeiten schneller als der Einkauf, lebt der Betrieb vom Lieferantenkredit — beides schmälert den Puffer und gefährdet früher oder später die Liquidität.

Forderungen und Verbindlichkeiten automatisch im Verlauf

bwa.expert extrahiert Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Lohnverbindlichkeiten aus Ihren DATEV-Auswertungen (SKR03 & SKR04) — inklusive OPOS-Liste — und stellt die Entwicklung als eigene Dashboard-Widgets dar.

  • Forderungs- und Verbindlichkeiten-Verlauf Monat für Monat
  • Bericht „Forderungen & Verbindlichkeiten“ als Word & PDF
  • Herkunftsnachweis jeder Zahl bis auf Seite und Zeile

Häufige Fragen

Ist ein hohes Working Capital immer gut?

Nicht unbedingt. Ein sehr hohes Working Capital kann bedeuten, dass zu viel Kapital in Vorräten und Außenständen gebunden ist — Geld, das weder verzinst noch investiert wird. Gesund ist ein stabiler Puffer bei möglichst kurzer Kapitalbindung.

Kann das Working Capital negativ sein?

Ja — dann übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten das Umlaufvermögen. In den meisten Branchen ist das ein Warnsignal für die Zahlungsfähigkeit; Ausnahmen sind Geschäftsmodelle mit Vorkasse und sehr schnellem Lagerumschlag, etwa Teile des Handels.

Wo finde ich die Werte für die Berechnung?

In der Bilanz bzw. unterjährig in der Summen- und Saldenliste: Vorräte, Forderungen und Bankbestände auf der Aktivseite, Lieferanten-, Steuer- und Lohnverbindlichkeiten auf der Passivseite. Die OPOS-Liste zeigt Forderungen und Verbindlichkeiten je Beleg.

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Liquidität

Liquidität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, fällige Zahlungsverpflichtungen jederzeit zu erfüllen. Gemessen wird sie über die Liquiditätsgrade 1 bis 3, die liquide Mittel und Umlaufvermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten setzen.

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Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Forderungen L+L) sind Ansprüche aus bereits erbrachten, aber noch nicht bezahlten Lieferungen und Leistungen. Sie stehen in SKR03 auf Konto 1400, in SKR04 auf Konto 1200.

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Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Verbindlichkeiten L+L) sind Zahlungsverpflichtungen aus erhaltenen, noch nicht bezahlten Lieferungen und Leistungen. Sie stehen in SKR03 auf Konto 1600, in SKR04 auf Konto 3300.

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OPOS-Liste (Offene-Posten-Liste)

Die OPOS-Liste (Offene-Posten-Liste) führt alle noch nicht ausgeglichenen Rechnungen auf — offene Forderungen je Debitor und offene Verbindlichkeiten je Kreditor, meist mit Belegdatum, Fälligkeit und Betrag.

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Cashflow

Der Cashflow ist der Zahlungsmittelüberschuss einer Periode. Aus der BWA lässt er sich indirekt annähern: vorläufiges Ergebnis plus Abschreibungen — die wichtigste Größe für die Beurteilung der Kapitaldienstfähigkeit.

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Liquiditätsplanung mit der BWA: Möglichkeiten, Grenzen, Vorgehen

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