BWA-Lexikon
Rohertrag: Was die Kennzahl aussagt und wie Sie sie berechnen
Der Rohertrag ist eine der wichtigsten Zwischensummen in der Betriebswirtschaftlichen Auswertung. Er beantwortet eine einfache Frage: Wie viel bleibt vom Umsatz übrig, nachdem Waren und Material bezahlt sind?
Erst aus dem Rohertrag werden Personal, Miete, Fahrzeuge und alle weiteren Kosten bezahlt — deshalb entscheidet diese Kennzahl früh darüber, ob ein Geschäftsmodell tragfähig ist.
Definition
Der Rohertrag ist die Differenz zwischen Gesamtleistung und Material-/Wareneinsatz. Er zeigt, wie viel vom Umsatz nach Abzug der direkt eingesetzten Waren und Materialien übrig bleibt, um alle übrigen Kosten zu decken.
In der BWA: Rohertrag = Gesamtleistung − Material-/Wareneinkauf (Zeile in der Kurzfristigen Erfolgsrechnung, BWA Nr. 1)
Formel
Formel
Rohertrag = Gesamtleistung − Material-/Wareneinsatz
Die Gesamtleistung umfasst Umsatzerlöse plus Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen. Der Wareneinsatz enthält alle direkt für die Leistungserstellung eingekauften Waren und Materialien.
Rechenbeispiel
Ein Handwerksbetrieb erzielt im Monat eine Gesamtleistung von 120.000 €. Für Material wurden 42.000 € aufgewendet. Der Rohertrag beträgt 120.000 € − 42.000 € = 78.000 €.
Bezogen auf die Gesamtleistung ergibt das eine Rohertragsquote von 65 % — von jedem Euro Leistung bleiben 65 Cent zur Deckung aller übrigen Kosten.
Warum der Rohertrag so wichtig ist
Der Rohertrag ist die erste große Weichenstellung in der BWA: Sinkt er, ist entweder der Einkauf teurer geworden oder die Verkaufspreise decken den Einsatz nicht mehr — beides Signale, die Sie vor dem Blick auf das Betriebsergebnis erkennen sollten.
Im Monatsvergleich zeigt der Rohertrag Preisdruck, Einkaufskonditionen und Sortimentsverschiebungen früher als jede andere Zeile der Erfolgsrechnung. Deshalb lohnt es sich, die Kennzahl nicht nur absolut, sondern als Quote über mehrere Monate zu verfolgen.
Typische Rohertragsquoten nach Branche
Wie hoch ein „guter“ Rohertrag ist, hängt stark von der Branche ab: Dienstleister ohne Wareneinsatz erreichen Quoten über 90 %, der Einzelhandel liegt oft zwischen 30 % und 50 %, die Gastronomie typischerweise bei 65 % bis 75 %. Aussagekräftig ist vor allem der Vergleich mit dem eigenen Vormonat und Vorjahr.
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Häufige Fragen
Ist der Rohertrag dasselbe wie der Gewinn?
Nein. Der Rohertrag berücksichtigt nur den Material- und Wareneinsatz. Personal, Miete, Abschreibungen und alle weiteren Kosten werden erst danach abgezogen — der Gewinn (vorläufiges Ergebnis) steht deutlich weiter unten in der BWA.
Wo finde ich den Rohertrag in der DATEV-BWA?
In der Kurzfristigen Erfolgsrechnung (BWA Nr. 1) als eigene Zeile unterhalb von Gesamtleistung und Material-/Wareneinkauf — meist mit Monatswert, kumuliertem Jahreswert und Prozentanteilen.
Was ist eine gute Rohertragsquote?
Das ist branchenabhängig: Dienstleister erreichen über 90 %, Handel oft 30–50 %, Gastronomie 65–75 %. Wichtiger als der Branchenschnitt ist die Entwicklung der eigenen Quote über die Zeit.
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Gesamtleistung
Die Gesamtleistung umfasst die Umsatzerlöse zuzüglich bzw. abzüglich der Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie aktivierter Eigenleistungen. Sie zeigt die tatsächlich erbrachte Leistung einer Periode — unabhängig vom Abrechnungszeitpunkt.
Mehr erfahrenWareneinsatz (Material-/Wareneinkauf)
Der Wareneinsatz (in der BWA: Material-/Wareneinkauf) umfasst alle Waren und Materialien, die direkt für die Leistungserstellung eingesetzt werden. Er wird von der Gesamtleistung abgezogen und ergibt so den Rohertrag.
Mehr erfahrenRohertragsquote
Die Rohertragsquote setzt den Rohertrag ins Verhältnis zur Gesamtleistung und zeigt in Prozent, wie viel von jedem erwirtschafteten Euro nach Abzug von Waren- und Materialeinsatz übrig bleibt.
Mehr erfahrenBetriebsergebnis
Das Betriebsergebnis ist der Rohertrag abzüglich der Gesamtkosten. Es zeigt, was das operative Kerngeschäft erwirtschaftet — vor Zinsen, Steuern und neutralen Posten.
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